Glutensensitivität ist schwer zu diagnostizieren

Glutensensitivität ist schwer zu diagnostizieren

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Ich wurde schon mehrmals bezüglich dem Thema „Glutensensitivität“ angeschrieben und um Aufklärung gebeten, was denn darunter verstanden wird. Mit diesem Artikel will ich dazu beitragen, diese Unklarheiten zu beseitigen.

Im Gegensatz zur Zöliakie ist die Glutensensitivität schwierig zu diagnostizieren. Bei der Zöliakie führt bekanntlich Gluten im Dünndarm zu einer chronischen Entzündung, wodurch die Darmschleimhaut geschädigt wird. Bei der Glutensensitivität besteht ebenfalls eine Überempfindlichkeit gegen Gluten oder andere Getreidebestandteile, aber eine Darmschleimhautveränderung ist nicht feststellbar. Dies führte in den vergangenen Jahrzehnten dazu, dass das Krankheitsbild der Glutensensitivität immer wieder diskutiert und auch bezweifelt wurde.

Glutensensitivität ist keine Einbildung
Erst im November 2012 wurde die Glutensensitivität dann in der Fachzeitschrift British Medical Journal (BMJ) als eigenständiges Krankheitsbild beschrieben und somit auch erstmals anerkannt. Inzwischen haben sich 15 internationale Experten auf diesem Gebiet darauf verständigt, dass es drei Krankheiten gibt, die durch Gluten verursacht werden können:

  • Zöliakie: Eine lebenslange glutenfreie Diät ist zurzeit die einzige Behandlungsmöglichkeit.
  • Glutensensitivität: Meist reicht es aus, die Glutenzufuhr einzuschränken.
  • Weizenallergie: Weizen und verwandte Getreidesorten (z. B. Dinkel) müssen vom Speiseplan gestrichen werden, da es andernfalls zu allergischen Reaktionen kommt.

Das die Glutensensitivität bisher nicht über Marker oder Blutwerte nachgewiesen werden kann, muss eine Diagnose über ein Ausschlussverfahren erfolgen. Die Symptome sind aber ähnlich wie bei der Zöliakie und reichen von Bauchschmerzen über Blähungen, Verstopfung, Durchfall bis hin zu Kopfschmerzen.

Forschung läuft – Hochleistungsgetreide unter Verdacht
Die Forschung hinsichtlich Glutensensitivität läuft auf Hochtouren, da immer mehr Menschen solch ein Krankheitsbild aufweisen. Ein Forscherteam der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz hat nun festgestellt, dass ein Insekten-Abwehrstoff namens „ATI“ der Auslöser für die Krankheit sein könnte. ATI wird gezielt in moderne Hochleistungs-Weiszensorten hineingezüchtet, um sich resistenter gegen Schädlinge zu machen und somit den Ertrag zu erhöhen.

Viele Glutensensitive vertragen nämlich Einkorn, Dinkel etc. – welche ebenfalls Gluten enthalten – sehr gut, aber keinen Weizen. Des Weiteren wird traditionell gebackenes Brot aus ländlichen Regionen, wo kein Hochleistungs-Weizen zum Einsatz kommt, ebenfalls gut vertragen.

Therapie möglich
Sollte eine Glutenunverträglichkeit vermutet werden, muss natürlich zuerst medizinisch abgeklärt werden, ob es sich nicht um eine Allergie oder Zöliakie handelt. Ist dies nicht der Fall, muss mittels Ausschlussverfahren festgestellt werden, ob eventuell eine Glutensensitivität vorliegt. Dabei muss 60 Tage komplett auf glutenhaltige Produkte verzichtet werden. Sollten innerhalb dieser zwei Monate die Symptome verschwinden bzw. sich bessern, kann von einer Glutensensitivität ausgegangen werden. Bleiben die Symptome unverändert bestehen, liegt höchstwahrscheinlich keine Glutensensitivität vor.

Ob danach eine glutenfreie oder glutenarme Ernährung erfolgen soll, kann nicht pauschal beantwortet werden. In vielen Fällen ist aber keine strenge Diät notwendig, was aber jeder nach seinem persönlichen Wohlempfinden entscheiden muss.

 

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