Monthly Archives: Mai 2016

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Auch wenn keine Zöliakie vorliegt, wurde von vielen Wissenschaftlern und Medizinern vermutet, dass Weizen trotzdem zu entzündlichen Reaktionen im Körper führen kann. Medizinisch konnte die sogenannte „Nicht-Zöliakie-Weizensensitivität“ (NCWS) noch nicht nachgewiesen werden, doch vor einiger Zeit haben sich Mediziner, Analytiker und Agrarwissenschaftler der Universitäten Mainz und Hohenheim zusammengetan, um dieses vermeintlich neue Krankheitsbild zu untersuchen.

Vermutlich Proteine Schuld
Dem Team ist zunächst wichtig festzustellen, dass „die NCWS nicht mit einer Zöliakie – einer Glutenunverträglichkeit – oder einer Weizenallergie zu verwechseln ist“, sondern sie eine bis jetzt kaum bekannte Weizenunverträglichkeit ist, die aber bis zu 5 Prozent der Bevölkerung betreffen soll. Als potentielle Auslöser gelten bestimmte Proteine im Weizen, die sogenannten ATIs. Dabei handelt es sich um natürliche Proteine im Weizen. Sie können Beschwerden von Durchfall über Bauchschmerzen und Müdigkeit bis hin zu Depressionen verursachen.

„Das Problem der NCWS war lange, dass man nicht wusste durch was sie ausgelöst wird, bis wir in meinem Labor an der Harvard Medical School spezielle Inhibitoren (ATIs) als Aktivatoren der angeborenen Immunität im Darm identifiziert haben“, erklärt Projektkoordinator Detlef Schuppan (Leiter des Instituts für Translationale Immunologie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz).

Allerdings ist bis jetzt noch ungeklärt, wie viele Proteine zu dieser Familie gehören und welche Rolle der Gehalt im Weizen spielt. „Bei einer Gruppe von Menschen scheinen die ATIs aus glutenhaltigen Getreiden wie Weizen ab einer bestimmten Menge entzündliche Reaktionen im Körper zu aktivieren bzw. zu verstärken. Das kann bei den Betroffenen Bauchschmerzen, insbesondere aber auch Benommenheit, Müdigkeit, Gelenk- und Muskelschmerzen, Hautveränderungen, depressive Stimmung und insgesamt eine Verschlechterung einer chronischen Erkrankung verursachen“, so Schuppan.

Weizensorten werden untersucht
In Zusammenarbeit mit den Universitäten Hohenheim und Mainz werden nun insgesamt 160 Weizen- und Dinkelsorten hinsichtlich ihres ATI-Gehalts analysiert. So hofft man neue Erkenntnisse darüber zu gewinnen, um eventuell Sorten züchten zu können, die einen geringen ATI-Gehalt aufweisen, aber trotzdem eine gute Backfähigkeit besitzen.

 

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Gestern habe ich darüber berichtet, dass bei der österreichischen Lebensmittelkette „Merkur“ neues Brot und Gebäck unter dem Namen „Weizenfrei“ angeboten wird. Hier Vorsicht geboten, da die Produkte zwar aus glutenfreien Zutaten hergestellt, aber dennoch nicht für Zöliaken geeignet sind, da sie Spuren von Gluten enthalten können.

Ich in diesem Zusammenhang habe auch die Österreichische Arbeitsgemeinschaft Zöliakie (ÖAZ) angeschrieben und sehr rasch vom Vorstandsmitglied Mag. Christian Petz eine Antwort erhalten, die wie folgt lautet:

Wir sind bereits seit 25. April in dieser Sache aktiv und haben mit dem Hersteller und auch mit Merkur bereits aufklärende Gespräche geführt. Auf der Homepage des Herstellers sind die Warnhinweise daraufhin deutlicher geworden, auch Merkur hat in seinem aktuellen Flugblatt einen Warnhinweis gesetzt. Leider nicht in der gut ersichtlichen Form, wie uns die Marketingleiterin von Merkur versprochen hat. Auch die Information der Merkur-Backshops ist noch nicht ausreichend erfolgt, das ich selbst am Samstag getestet habe. Es war zwar wahrscheinlich nur eine Samstags-Aushilfskraft, jedoch sollte auch diese mir die Frage, ob ich das mit Zöliakie essen kann, nicht bejahen. Am Dienstag werden weitere Maßnahmen gesetzt, da für uns die Situation noch nicht zufriedenstellend ist.

Inzwischen gibt es auf der Homepage der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft Zöliakie auch offiziell eine Produktwarnung für die Weizenfrei-Backwaren bei Merkur.

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Seit 2. Mai gibt bei der Lebensmittelkette MERKUR (Österreich) eine neue Produktlinie namens „WEIZENFREI“. Unter diesem Label werden weizenfreie Brotwaren (zB Semmeln, Laugenstangerl, Kornspitz etc.) in einem Backshop angeboten, die laut dem Plakat (siehe oberhalb) aus „von Natur aus glutenfreien Rohstoffe“ hergestellt werden.

Bei diesem Angebot ist allerdings für Zöliakie-Betroffene Vorsicht geboten, da diese Produkte – obwohl sie laut Folder (wiederum unterhalb) aus „Mehlen, die von Natur aus glutenfrei sind“, gebacken werden, für Zöliaken nicht geeignet sind, da sich Spuren von Gluten darin befinden können.

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Erst auf der Rückseite des Folders wird der Kunde auf Folgendes hingewiesen: „Für Zöliakie-Erkranktesind unsere Produkte nicht geeignet, da sie Spuren von Gluten enthalten könnten.“

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Auch in den MERKUR-Filialen wird nur unzulänglich darauf hingewiesen, dass diese Produkte eigentlich nicht wirklich glutenfrei sind. Lediglich im angesprochenen Folder wird kurz darauf eingegangen, aber vorrangig damit geworben, dass das Brot und Gebäck aus glutenfreien Rohstoffen hergestellt wird.

Ich will der Lebensmittelkette MERKUR und dem Hersteller der Weizenfrei-Produkte hier nichts unterstellen, aber meiner Ansicht nach wird hier gezielt mit dem Begriff „glutenfrei“ geworben, was aber im Endeffekt nicht der Wahrheit entspricht, da die Produkte für die wirklich Betroffenen nicht geeignet sind. Auch beim Facebook-Auftritt von Weizenfrei wird mit den „glutenfreien Rohstoffen“ geworben, aber mit keiner Silbe darauf eingegangen, dass die Backwaren nicht für Zöliakie-Betroffene geeignet sind. Erst auf der Homepage des Herstellers steht bereits auf der Startseite steht: „Unser Produkten können Spuren von Gluten enthalten. Daher nicht für Zöliakiebetroffene und Weizenallergiker geeignet.“ Dies ist aber meiner Meinung nach zu wenig, sondern sieht eher wie eine rechtliche Absicherung aus.

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Zwar sind Zöliaken von Natur aus skeptisch und hätten wahrscheinlich bald gesehen, dass diese Produktlinie nichts für sie ist. Allerdings gibt es auch Verwandte und Bekannte, die es gut meinen, und eventuell Brot und Gebäck in der Annahme mitnehmen, dass sie glutenfrei sind. Dies wäre ihnen bei der Bewerbung der Weizenfrei-Produkte auch nicht übel zu nehmen. Ich werde daher auch die Firma anschreiben und sie bitten, deutlicherer erkennbar zu machen, dass diese Backwaren nichts für Zöliakie-Betroffene sind.